Lennart Grau

STRAINING GLORY

May 13 until July 15, 2017

Opening: May 12, 18 – 21

Wir freuen uns, die Ausstellung Straining Glory von Lennart Grau zu präsentieren. In seiner zweiten Einzelausstellung am Hamburger Standort von Circle Culture zeigt der in Berlin lebende Künstler Gemälde aus seinem neuen Werkzyklus.

Lennart Graus Gemälde skizzieren farbenprächtige Fantasiewelten. Künstlerische Anleihen aus vergangenen Epochen, insbesondere aus Rokoko, Biedermeier und Barock verleihen den Werken einen gewissen anachronistischen Charakter. In provokant kitschigen Helden- und Herrscherporträts, sinnlichen Landschaften oder üppigen Stillleben inszeniert Grau Macht und Überfluss, und lässt seine Sujets in marmorierten Strukturen aus Acryl und Öl buchstäblich auf der Bildfläche zerfließen.

Als Vorlagen für seine Arbeiten dienen ihm Bilder, die er im Internet, in Auktionskatalogen und Kunstpublikationen findet. Dabei gilt sein Interesse Motiven, die eine visuelle Prägnanz aufweisen. Es sind meist kraftvolle Gesten oder kompositorische Elemente, die Bildern die Kraft verleihen Emotionen zu stimulieren oder Erinnerungen aufzurufen, und die der Künstler aus dem historischen Material extrahiert. Vor farblich changierenden Malgründen, die mal an textile Brokattapeten, mal an lichte Horizonte oder illusionistische Vorhänge erinnern, schafft Grau eine Bühne für seine Kompositionen, in denen er die formelhaften Fragmente zu einer verführerischen Ästhetik verdichtet.

Die Arbeit Oversized Halo gibt eine komplexe Szenerie zu sehen: Während die zentrale Figurengruppe Assoziationen zu biblischen Motiven weckt, versprühen die sie umgebenden Personen in kämpferischer Haltung und mit wehenden Fahnen ein revolutionäres Pathos. Bildelemente wie eine antike Säule und ein Totenkopf, die in dem Geschehen wie Fremdkörper wirken, verstärken den Eindruck, dass hier nichts so recht zusammenpassen will. Die Darstellung erweist sich als Collage verschiedenster tradierter Formen und Gebärden, die in ihrem Nebeneinander den Inhalt ad absurdum führen. Der Betrachter wird zurückgeworfen auf den vordergründigen Schein, der sich als 'leere Propaganda' erweist. Indem Grau das suggestive Potenzial von Bildern vorführt, liefert er einen Hinweis auf Strategien visueller Inszenierung in Medien und Politik.

Die in der Ausstellung präsentierten Porträts lassen die idealisierten Repräsentationen vergangener Gesellschaften wieder aufleben. Den gesellschaftlichen Rang der Protagonisten charakterisiert Grau durch prunkvolle Gewänder, zahlreiche Attribute und typische Posen; ihre Individualität bleibt hingegen hinter detaillosen Gesichtern verborgen. In ornamentalen Geschwüren aus dick aufgetragener Farbe übersteigert der Künstler die imposante Ausstattung in dem Maße, dass die Bilder vor den Augen des Betrachters zu zerschmelzen scheinen. Mit malerischen Mitteln inszeniert er das Kippmoment, die maximale Gefahr des Verlustes dessen, was glorreich errungen wurde.

Der geradezu maßlose Einsatz von Farbe manifestiert nicht nur die ungetrübte Freude des Künstlers am Medium der Malerei, die sich auch innerhalb der Gegenständlichkeit vom Gegenstand löst und die autonome Qualität des Farbmaterials herausstellt. Graus flüchtige Szenen greifen zurück auf eine Ästhetik der Opulenz, die in der Überzeichnung verlockend wirkt und dabei im Hier und Jetzt den Betrachter zur kritischen Wahrnehmung auffordert.

Lennart Grau (*1981 in Krefeld) hat sein Studium der Bildenden Künste als Meisterschüler bei Prof. Leiko Ikemura an der Universität der Künste Berlin abgeschlossen. Er lebt und arbeitet in Berlin.